• Philipp Mertens

Fasten: Kalter Kaffee oder brandaktuell?

Aktualisiert: Mai 5

Eines der Themen, mit denen ich in den letzten Wochen regelrecht konfrontiert wurde, ist das Thema “Fasten“. Das gar nicht mal nur im Gebetshaus selbst (wo ich zu Jahresbeginn länger war), obwohl Fasten ja oftmals mit Beten einhergeht. Denn auch im ICF-Movement sowie bei Foursquare International, der Foursquare-Mutterbewegung, kam das Thema auf. Ich konnte (und wollte) dem Fasten einfach nicht entkommen. Und nun sind wir in der Zeit vor Ostern, der klassischen Fastenzeit. Es lässt mich also nicht los :-).


Was mich dabei aber echt ernüchtert hat: Die meisten Leute, die ich kenne bzw. mit denen ich in der letzten Zeit explizit übers Fasten gesprochen habe (mich eingeschlossen), schaffen es (häufig) nicht - schon gar nicht regelmäßig. Auch wenn es glücklicherweise Ausnahmen von dieser Regel gibt, habe ich den Eindruck, dass wir Christen in Deutschland nicht den natürlichsten und einfachsten Zugang zum Fasten haben.


Aber was meint Fasten eigentlich? Innerhalb der Bibel handelt es sich immer um den bewussten Verzicht von Nahrungsmitteln über einen festgelegten Zeitraum - meistens Essen. Das kann trotzdem recht unterschiedlich aussehen: Daniel fastete bspw. so, dass er ausschließlich Gemüse und Wasser zu sich nahm (vgl. Dan 1,12). Heutzutage nennen wir das “Daniel-Fasten“ - im Grunde der veganen Lebensweise sehr ähnlich. Königin Esther dagegen rief in der überaus bedrohlichen Situation gegenüber dem jüdischen Volk zu der radikalsten Form des Fastens auf: Vollfasten, sprich weder Essen noch Trinken zu sich nehmen. Und das für volle drei Tage (vgl. Est 4,16).


Und schließlich ist da Jesus selbst, der vor dem Beginn Seines öffentlichen Wirkens 40 Tage fastete (vgl. Mt 4,2). Diese 40 Tage markieren sozusagen einen Einschnitt - nach Seiner Taufe, bevor es dann so richtig los geht mit Predigen, Krankenheilungen, Zeichen und Wundern.


Ansonsten - und das hat mich dann auch wieder erstaunt - nimmt die Fasten-Thematik, wenn ich einfach mal die Evangelien lese, bei Jesus auf den ersten Blick keinen allzu hohen Stellenwert ein:

  1. Innerhalb der Bergpredigt redet Jesus über die Herzenshaltung des Fastens: Es geht nicht darum, sich mit dieser geistlichen Disziplin zu schmücken und herauszuposaunen, dass man gerade fastet (vgl. Mt 6,16f.). Idealerweise soll bloß Gott davon erfahren, weil man es sich äußerlich nicht anmerken lässt.

  2. Jesus wird einmal von den Followern von Johannes dem Täufer gefragt, warum Seine Follower nicht regelmäßig fasten (sowie sie und die Follower der Pharisäer). Er antwortet darauf bildhaft, dass die Gäste nicht “trauern“, während der Bräutigam noch anwesend ist. Wenn Er (und damit meint Jesus natürlich sich selbst) sie verlasse, würden die Gäste bzw. Seine Follower fasten (vgl. Mt 9,14ff).

  3. Schließlich findet man in manchen Bibelübersetzungen in Mk 9,28f. die Erwähnung von Fasten: Nachdem die Follower von Jesus einen Dämon nicht haben austreiben können, muss Jesus selbst zur Tat schreiten. Als Er anschließend gefragt wird, warum sie den Dämon nicht austreiben konnten, antwortet Er, diese Art von Dämon könne nur durchs Gebet ausgetrieben werden - und in manchen alten Textüberlieferung wird eben ergänzt “und durchs Fasten“. Hierüber mag man textkritisch streiten; de facto hat Fasten als “Training“ für geistliche Autorität auch aufgrund dieser Bibelstelle ihren Platz erhalten.

Mich wundert, dass Jesus damit doch relativ wenig Angaben zum Zweck oder zur Ausgestaltung von Fasten macht. Natürlich gibt es die Vorbilder aus dem Alten Testament. Aber Jesus sagt nicht: “Handelt so wie sie“. Und mit Ausnahme der 40-tägigen Fastenzeit wird auch nichts davon berichtet, dass Jesus selbst oder Seine Follower mit Ihm gefastet hättet. Schon erstaunlich.


Erst in der Apostelgeschichte (insbesondere in Kap. 13,) lesen wir dann wieder über die Bedeutung des Fastens:


In der Gemeinde von Antiochia gab es eine Reihe von Propheten und Lehrern: Barnabas sowie Simeon, genannt »der Schwarze«, Lukius von Kyrene, Manaen, der gemeinsam mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. Einmal fasteten sie für einige Zeit und widmeten sich ganz dem Gebet. Da sprach der Heilige Geist zu ihnen: »Stellt mir Barnabas und Saulus für die Aufgabe frei, zu der ich sie berufen habe.« Daraufhin fasteten sie noch einmal, beteten und legten ihnen die Hände auf.Dann ließen sie Barnabas und Saulus ziehen.



Fasten hatte damals einen Impact auf das gelebte Christsein - und das ist genauso heute auch noch so. Der Zweck ist aber nicht, Gott in irgendeiner Art und Weise beeindrucken oder beeinflussen zu wollen. Vielmehr ist es so, dass ich Raum in mir mache, dass Gott besser, deutlicher und klarer reden und handeln kann; genau das erkennen wir hier in dieser Bibelstelle und so erlebe ich das auch: Wenn ich auch nur einen Tag faste, merke ich abends, um wie viel sensibler ich bin. Und innerhalb meiner Fastenzeit Anfang des Jahres hat Gott mir sehr deutlich gemacht, dass ein wesentlicher Teil meiner Berufung durch Beten und Fasten aktiviert wird.


Darum lässt mich das Thema nicht mehr los. Die Bibel ist dann doch hier und dort gespickt mit Versen, die das Fasten in den Mittelpunkt rücken. Wenn man außerdem Biographien von geistlichen Männern und Frauen der Geschichte und Gegenwart liest, stößt man immer wieder auf die Bedeutung von Fasten in ihrem Leben.


Was ich bisher in Sachen Fasten gelernt habe:

a) Grundsätzlich kann ich alles Mögliche fasten: Neben Weglassen von Essen kann man zB auch Social Media fasten - eben alles, was mich in meiner Connection mit Gott begrenzt. Essen Fasten hat dabei einfach den Vorteil, dass es mich von innen her freier und sensibler macht - was aber auch anstrengend werden kann, weil ich müder bin und womöglich auch ansonsten emotionaler.

b) Wie bei allem sollte ich nicht von null auf hundert durchstarten: Beim Essen Fasten beginne zB damit, die feste Nahrung wegzulassen; oder starte mit einem Fastentag, dann 3 Tage, dann 7 usw.

c) Fasten ist mit einer Gruppe am einfachsten, besonders wenn man “neues Land“ einnehmen will.

d) Es macht durchaus Sinn, für eine konkrete Sache oder mit einem konkreten Ziel zu fasten. Das kann ein ersehnter Durchbruch in einem Bereich meines Lebens sein (bspw. ein Bereich, in dem ich immer wieder an meine Grenzen komme); das kann aber auch für eine bestimmte Sache oder Situation sein, die ich mir zum Besseren erhoffe.


Wenn Du (neu) starten möchtest mit Fasten:

Ich habe mir für meinen Teil für 2021 vorgenommen, dass mein Fasten nicht einfach nur ein mal punktuell sinnvoll ist. Nein, ich möchte einen richtigen Fastenrhythmus in meinem Leben etablieren. Zum einen heißt das für mich, wöchentlich einen Tag Essen zu fasten (was ich, ehrlich gesagt, aber nicht immer schaffe). Zum anderen möchte ich zu festen Zeiten auch längere Zeiträume einplanen, an denen ich faste.


Und weil es mit einer Gruppe am einfachsten ist, habe ich überlegt, ein einwöchiges Fasten vor Ostern durchzuziehen, vom Samstag vor Palmsonntag bis einschließlich Karfreitag (27.3.-2.4.). Bist Du dabei? Zur Anmeldung s. unten.


Konkret bedeutet das: Eine Woche lang mal radikal das gewohnte Essen weglassen und dafür Raum für Gott machen. Du kannst ein klassisches Wasserfasten machen (sprich nur Wasser) oder Getränke aller Art bis hin zu Shakes oder dem Minimum, um Deinen Kreislauf stabil genug zu halten. Einzelne Mahlzeiten fasten geht auch.


Herzstück dieser gemeinsamen Fastenwoche sollen Zoom-Meetings zur Unterstützung sein - für Teaching, Austausch, Gebet und natürlich Ermutigung -, und zwar an folgenden Terminen (immer ab 18h):


Mittwoch, 24.3. (ca. 90min): Teaching und praktische Vorbereitung für die Fastentage (auch gut als Einstieg, falls Du Dir noch unsicher bist, ob Du dabei sein möchtest)

Freitag, 26.3. (ca. 30min): Gebet, Abendmahl und Ermutigung

Samstag, 27.3. (ca. 15min): Gebet und Ermutigung

Montag, 29.3. (ca. 30min): Gebet, Ermutigung, kurzer Austausch)

Mittwoch, 31.3. (ca. 15min): Gebet und Ermutigung

Freitag, 2.4. (ca. 30min): Gebet, Ermutigung und letzte Infos fürs Fastenbrechen

Dienstag, 6.4. (ca. 30-45min): Rückblick Fastenzeit, Dank und Gebet


Auch eine Threema/iMessage/WhatsApp-Gruppe könnte den Austausch und die Ermutigung unterstützen. Das werden wir aber am ersten Treffen abstimmen.


Wenn Du mit dabei sein willst, melde Dich hier an. Du musst nicht an jedem der o.g. Termine teilnehmen - alles freiwillig. Aber schöner ist das schon :-).




Weiterführende Literatur:

Mike Bickle, Der Lohn des Fastens: Die Kraft und die Liebe Gottes erfahren. 2. Aufl. Steinhausen, 2008.

Mahesh Chavda, Die verborgene Kraft des Betens und Fastens. 2. Aufl. Erzhausen, 2000.