• Philipp Mertens

Ich geh dann mal Beten III: Wozu eigentlich Gebetshäuser?

Aktualisiert: Mai 5

Lange Zeit habe ich mich gefragt, was eigentlich der Sinn und Zweck eines Gebetshauses ist. Gehört hatte ich immer mal davon, besonders natürlich von Augsburg und international vom IHOP (International House of Prayer) in Kansas City. Aber irgendwie fehlten mir die Berührungspunkte. Und zugegebenermaßen war das Thema “Gebet“ für mich recht nebulös; ich vertiefte mich dann doch lieber in theologische Bücher oder die Bibel. Nicht, dass ich nicht gebetet hätte, aber irgendwie doch mehr als Pflichtübung - mir fehlte es einfach an guter Lehre und v.a. intensiven Begegnungen mit Gott im Gebet.


Doch seit unserer Zeit in Redding/CA bei der Bethel Church hat sich das Blatt komplett gewendet: Immer mehr brenne ich für das Gebet, Gottes Gegenwart und Seine Herrlichkeit. Und genau darum geht es auch bei den Gebetshäusern: Gott anbeten, weil Er es wert ist.


Aber warum “Gebetshaus“ und wodurch unterscheidet sich das von typischer Kirchengemeinde?


Zur Theorie:

Das Konzept “Gebetshaus“ geistert seit Ende der 1990er Jahren in der westlichen Christenheit herum, prominent angefangen sicher mit Mike Bickles IHOP - obwohl die tatsächlich erste Gründe dieser Art im letzten Jahrhundert bereits 1973 der Gebetsberg von David Yonggi Chos Gemeinde (“Yoido Full Gospel Church“ in Seoul/Südkorea) gewesen ist und dieser seither mit mehr als 1 Million Besuchern pro Jahr beehrt wird. Doch erst Ende der 1990er und dann im neuen Jahrtausend begann ein regelrechter Boom von Gebetshaus-Gründungen. Allerdings ist die Idee nicht neu, wenn man an all die Klöster bspw. denkt oder an Zinzendorfs Brüdergemeinde (gegründet 1727): Dort wurde 100 Jahre non-stop 24/7 gebetet.


Die Grundmotivation dahinter ist relativ simpel:

a) Wir als Menschen sind dafür gemacht, Gott anzubeten (begründet wird dies biblisch u.a. mit Eph 1,12 oder 1 Petr 2,9)

b) Gott selbst ist es wert, angebetet zu werden

c) Anstatt 24h/Tag uns selbst oder irgendwelche Götzen anzubeten, sollten wir Gott anbeten


Soweit die individuelle Perspektive - dass wir zur Anbetung Gottes gemacht wird. Zum eigentlichen Konzept des Gebetshauses gehören noch ein paar grundlegende biblische Motive:


Von König David, dem große König Israels, wird nicht nur berichtet, dass er selbst ein hingegebener Anbeter war, wie wir im 1. Buch Samuels lesen bzw. auch in etlichen Psalmen nachvollziehen können, die König David zugeschrieben werden. Seine Leidenschaft für den Gott Israels (und Vater von Jesus Christus) ging sogar soweit, als Erster in einer Hütte, wo die Bundeslade stand, mit 288 prophetischen Sängern und 4000 Musikern einen 24/7-Gebet einzurichten (vgl. 1 Chr 15,1-17,27, bes. 16,4-6.27 + 1 Chr 23,5) - ein gigantisches Unterfangen! Anstatt all der Opfer, wie von Mose angeordnet (Lev 1-7 v.a.), setzte König David auf die Anbetung des Herzens.


Allerdings überdauerte dieser Dienst im kontinuierlichen Gebet König David nicht wirklich. Denn schon sein Sohn Salomo setzte nach fertiggestelltem Tempel vielmehr wieder auf Schlachtopfer (vgl. 2 Chr 7,5).


Immerhin gibt es da eine Verheißung im Prophetenbuch Amos (Kap 9 Vers 11), die in Apg 15,16 beim ersten großen Kirchenkonzil zitiert wird:


“An dem Tag, nachdem ich Gericht gehalten habe, werde ich mich euch wieder zuwenden. Ich werde die verfallene Hütte Davids wieder aufbauen. Aus ihren Trümmern werde ich sie aufrichten und sie neu erstehen lassen.“


Eigentlich geht es im dortigen Zusammenhang um die Integration der Nicht-Juden zur Urkirche ohne die Notwendigkeit der Beschneidung etc. Tatsächlich ist darin aber auch von dem Wiederaufbau jener “verfallenen Hütte Davids“ die Rede - eben dem Ort, wo non-stop Gott angebetet wurde.


Und so ist die Hütte Davids, wie sie ausführlich im 1. Chronikbuch beschrieben wird, ein regelrechter Bauplan für die modernen Gebetshäuser. Dazu kommt der Gedanke, dass König David den himmlischen Thronsaal im Irdischen abzubilden versucht habe, wie es dann schließlich auch im Neuen Testament in Offb 4-5 beschrieben wird.


Zur Praxis:

Tatsächlich gibt es weltweit immer mehr solcher Häuser des Gebets. Vor zwei Jahren hörte ich sogar eine Prophetie dazu, dass Gott in Deutschland immer mehr solcher Orte des Gebets und Seiner Herrlichkeit hervorrufe. Aber wozu das Ganze? Klar, Gott ist es wert. Aber welche Vorteile hat solch ein Gebetshaus gegenüber der klassischen Kirchengemeinde?


1. Überkonfessionell:

Die meisten Gebetshäuser, die ich kenne, sind überkonfessionell (oder ökumenisch, je nach Definition der Begrifflichkeiten). Das bedeutet, dass sie nicht an eine spezifische Kirche gebunden sind - sei es an die Katholische Kirche, Evangelische Kirche oder irgendeine Freikirche. Sie sind eigenständig und dadurch notwendigerweise spendenfinanziert. In der Praxis erlebt man deshalb vor Ort Christen aus allen Konfessionen - so auch in Augsburg, wo Katholiken mit Pfingstlern, Baptisten, Landeskirchlern usw. zusammen beten.


Was alle miteinander verbindet, ist: a) Die Liebe zu Jesus b) Die Ausrichtung auf die Bibel c) Das Ausstrecken nach dem Wirken des Heiligen Geistes


Gebetshäuser sind somit Teil der charismatischen Erneuerung und geben dadurch wiederum neue, geistgewirkte Impulse in die Gemeinden hinein. Besonders hier in Augsburg ist das der Fall, wo Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum kommen, sich fürs Gebet zurückziehen, neu auftanken und mit neuen Erkenntnissen wieder nach Hause fahren (selbst zu Corona-Zeiten können die Prayer Homes gebucht und dadurch der Gebetsraum genutzt werden).


2. Beten lernen:

Als Christ sollte es ganz normal sein zu beten. Denn Beten ist ja nichts anderes als Kommunikation mit Gott. Meint man. Was aber in der Theorie so einfach klingt, ist de facto doch komplizierter. Denn: Mit wem rede ich da überhaupt? Wie kann ich Gott ganz konkret begegnen? Und wie nehme ich Gottes Reden/Antworten an mich wahr?


Dieser Punkt ging mir vor einigen Tagen in einem Gespräch auf, das ich mit dem Leiter der Flame-Academy führte. Und zwar fragte ich ihn ein wenig über die Besonderheit dieser Jüngerschaftsschule aus. Während er so redete, ging mir auf, dass es tatsächlich wenig Orte gibt, wo man wirklich Gebet lernen kann. Nicht nur diese Jüngerschaftsschule des Gebetshauses ermöglicht das, sondern dies ist außerdem der dritte Visionspunkt des Gebetshauses Augsburg: Man braucht “Orte, um Gebet zu erleben und zu erlernen.“


Bei mir jedenfalls ist dieser Punkt in seiner Bedeutsamkeit voll eingeschlagen: Beten lernt man häufig in Gemeinschaft. Zwar habe ich mittlerweile etliche Bücher zu “Gebet“ gelesen, doch mindestens ebenso wichtig sind meine persönlichen Erfahrungen in der Bethel Church oder jetzt hier in Augsburg, wo mein “Wortschatz“ meines Gesprächs mit Gott auf ein ganz neues Level angehoben wird.


3. Eine Vielzahl an Gebetsformen:

Weil Gebetshäuser keine klassischen Kirchengemeinden sind, müssen sie in ihrer Form auch nicht den typischen Erwartungen entsprechen, wie man sie bspw. an einen Sonntags-Gottesdienst hat. Diese neue Freiheit erlaubt unterschiedliche Gebetsformen - und zwar in einer Länge, wie sie zumindest in Deutschlands Gottesdiensten selten vorkommen.


Vorherrschend sind hier in Augsburg drei Gebetsformen:

a) Lobpreis mit der Bibel: Bei dieser idR zweistündigen Zeit steht eine Bibelpassage im Zentrum, die zunächst von viel Lobpreis gerahmt (= Harp & Bowl) wird und in der dann einzelne Teilaspekte der Bibelpassage durchgekaut werden - durch Vorbeten des Gebetsleiters und spontanes Aufgreifen der Sänger (als call-and-response, sprich hin und her).

b) Fürbitte: In gleichem Stil wie der “Lobpreis mit der Bibel“ (normalerweise jedoch nur eine Stunde lang) bringt der Gebetsleiter ein Thema rein, für das gebetet wird. Sprich, auch hier gibt es ein Hin und Her zwischen Gebetsleiter und Sängern, aus denen regelrechte Chorusse entstehen, um den jeweiligen Punkt zu vertiefen und wirklich in die unsichtbare Welt zu proklamieren. Ergänzt wird die Fürbitte häufig noch durch sog. “rapid fire“, sprich jeder Teilnehmer kann in 10-15 Sekunden seine persönliche Note zum Fürbitte-Thema vor Gott bringen.

c) Devotional: Dieses Format ist den Kirchengemeinden wohl am geläufigsten. Denn es handelt sich um ruhige Lobpreismusik, normalerweise von einer Person für eine Stunde gestaltet.


4. Viele Fürbittezeiten und -themen:

Gebetshäuser können mit ihrem Gebetsschwerpunkt natürlich einen ganz anderen Schwerpunkt auf die gemeinsame Fürbitte legen, als das in traditionellen Kirchengemeinden der Fall ist. Ein Blick in die Gebetszeiten in Augsburg offenbart die Fülle, Vielfalt und Breite der Fürbitte-Themen:

a) Für spezifische Länder und Regionen wie Augsburg, Deutschland, Europa, Israel, aber auch für Nordkorea, die arabische Welt, oder Asien.

b) Für spezifische Gruppen: Männer, Frauen, Familien, next generation, Gemeindeleiter, verfolgte Christen, ungeborenes Leben, den Leib Christi, Universitäten, das Ende von Menschenhandel.

c) Für spezifische Themen: Erweckung in Deutschland, Heilung, Kreativität, Politik/Wirtschaft/Bildung.


Fazit:

Aus meiner Sicht ergänzen und beleben Gebetshäuser den Leib Christi, sprich die Weltkirche. Ihre Existenz ist somit mehr als berechtigt. Wenn Du selbst noch keins von innen gesehen hast, solltest Du das unbedingt nachholen. Vermutlich gibt es in Deiner Nähe mittlerweile auch eins.